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Zwei Jahre Migrationscenter

Aus Teilnehmern werden Arbeitnehmer

Ausgabejahr 2019
Datum 28.05.2019

„Im Migrationscenter öffnen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Tür zum Arbeitsmarkt." So beschreibt Carmen Giss, Geschäftsführerin des Jobcenters Oldenburg, seine Funktion und seinen Erfolg. Das Migrationscenter arbeitet seit Anfang Mai 2017. Seitdem haben rund 500 Personen das Angebot genutzt. Gut jede dritte hat dadurch einen Arbeitsplatz gefunden.

Zielgruppe sind in erster Linie geflüchtete Frauen und Männer über 25 Jahre, vereinzelt auch andere Migranten, die etwa geringe Deutschkenntnisse oder wenig Berufserfahrung haben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bringen unterschiedliche Vorkenntnisse mit. Unter ihnen sind sowohl Analphabeten und Personen, die wenige Schuljahre absolviert haben, als auch vereinzelt Abiturienten und Akademiker.

„Wir arbeiten auf mehreren Ebenen gleichzeitig mit den Teilnehmenden", erläutert Giss. „Sprachvermittlung, das praktische Kennenlernen konkreter Tätigkeiten und Informationen über das Arbeitsleben in Deutschland stehen am Anfang, denn die kulturellen Unterschiede rund um das Thema Arbeit sind erheblich. Sobald ein Teilnehmer oder eine Teilnehmerin gute Grundlagen gelegt hat, kann ein Praktikum in Betrieb folgen. Daraus sind schon viele Arbeitsverträge entstanden."

Einhundert Plätze hat das Migrationscenter. In acht Werkstätten, darunter Küche, Friseursalon, Maler- und Metallwerkstatt, erproben sich die Teilnehmenden. Während einige schon berufliche Kenntnisse aus den Gewerken mitbringen, wollen oder müssen andere zunächst nach einem passenden Berufsfeld suchen. Bereichsleiter Michael Fuge ergänzt: „Arbeitgeber wünschen sich, dass Bewerber ganz konkrete Praxiserfahrung für ihre künftige Tätigkeit mitbringen. Hier lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie in Deutschland in verschiedenen Berufen gearbeitet wird, sie lernen Werkzeuge, Materialien und Techniken kennen. Ihre eigene Erfahrung und ihre Fertigkeiten dienen als Grundlage, dort setzen wir an."

Grundkenntnisse der deutschen Sprache müssen vorhanden sein, damit eine Verständigung über einfache Sachverhalte möglich ist. „Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben bereits Deutschkurse absolviert. Hier erleben sie Arbeitssituationen, in denen sie ihre Kenntnisse einsetzen und erweitern können,", so Giss. Das Migrationscenter bietet zusätzlich Deutschunterricht an, und zwar gestuft für Personen mit sehr geringen Kenntnissen bis zu einem Niveau, das eine fließende Unterhaltung ermöglicht. Außerdem werden Vokabeln aus den Berufsfeldern vermittelt, um den Teilnehmern den Einstieg bei einem Arbeitgeber zu erleichtern.

Das Wissen über den deutschen Arbeitsmarkt ist für die Geflüchteten ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Lernens. Welche Tätigkeiten beinhaltet ein Beruf in Deutschland, was erwartet ein Chef oder eine Chefin, wie ist der Arbeitsrhythmus, wie geht man mit Vorgesetzten und Kollegen um – es gibt zahlreiche Unterschiede zu den Heimatländern. Das betrifft auch die Berufsbilder. Michael Fuge nennt ein Beispiel: „Es war nicht leicht, den Teilnehmern zu vermitteln, dass Helfer in Bauberufen gut verdienen können. In arabischen Ländern sind das schlecht bezahlte, gefährliche Tätigkeiten. Bei uns gibt es Mindestlöhne, außerdem können sich Bauhelfer zur Fachkraft qualifizieren und haben gute Aufstiegsmöglichkeiten."

Eine wichtige Zielgruppe des Migrationscenters sind Frauen. Sie stellen gut ein Viertel der Teilnehmenden. „Für einige Frauen und für ihre Männer war es ein großer Schritt, dass sie sich in Richtung Arbeit außerhalb des eigenen Haushalts orientieren", sagt Carmen Giss. „Das Migrationscenter ist für sie ein wichtiger Lernort, sie lernen und arbeiten hier mit fremden Männern gemeinsam. Das ist für die meisten Frauen wie auch für die männlichen Teilnehmer ungewohnt." Die Frauen haben sich für die Arbeitsbereiche Küche, Verkauf und Friseursalon entschieden. Bislang haben 17 eine Arbeitsstelle angenommen, zwei junge Frauen haben über eine Einstiegsqualifizierung den Weg in eine Berufsausbildung eingeschlagen.

„Die enge Begleitung auf dem Weg in den Arbeitsmarkt ist für die Teilnehmenden eine wichtige Hilfe", resümiert Giss. „So beginnen sie gut vorbereitet an ihrem neuen Arbeitsplatz. Das ist auch für die Arbeitgeber hilfreich, die Geflüchtete einstellen."

Mit der Veranstaltung „Work & Talk" lädt das Migrationscenter am 21. August Oldenburger Unternehmen ein, neue Mitarbeiter unter den Teilnehmern zu finden. Sie präsentieren als potenzielle Arbeitskräfte und zeigen in den Werkstätten, was sie können. Interessierte Unternehmen melden sich beim Migrationscenter an unter 0441/350 674-19 oder -11.

Zum Hintergrund:

Das Migrationszentrum belegt eine Halle des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer in Tweelbäke, Schütte-Lanz-Straße 15. Handwerkskammer, Volkshochschule, Akademie Überlingen und Dekra Akademie organisieren und betreiben das Bildungsangebot gemeinsam, das vom Jobcenter in Auftrag gegeben wurde. Mit Sozialpädagogen, Ausbildern und Jobcoaches betreuen und fördern sie Kundinnen und Kunden des Jobcenters.

Von Anfang Mai 2017 bis Ende April 2019 hat das Migrationscenter insgesamt 503 Männer und Frauen betreut, 371 Männer und 134 Frauen. Damit machten Frauen ein gutes Viertel (26,5 Prozent) aller Teilnehmenden aus. Drei Viertel der Teilnehmenden waren zwischen 25 bis 50 Jahre alt. Gut 15 Prozent haben die Maßnahme vorzeitig beendet.

126 Männer und 17 Frauen haben während der Teilnahme am Migrationscenter eine Arbeit aufgenommen. Eine Einstiegsqualifizierung haben acht Männer und zwei Frauen begonnen.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Geflüchtete, entsprechend stammen gut 80 Prozent aus den acht Haupt-Fluchtländern, vor allem aus dem Irak (44 Prozent) und aus Syrien (24 Prozent).

Ende April 2019 waren 1.759 Geflüchtete beim Jobcenter Oldenburg arbeitssuchend gemeldet.