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Aufstocker oder Ergänzer – Das Jobcenter unterstützt, wenn das Einkommen nicht zum Leben reicht

Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Nürnberg und des Jobcenters Nürnberg-Stadt

Ausgabejahr 2018
Datum 04.06.2018

Es gibt Arbeitnehmer, die nicht genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Dazu zählen besonders häufig Menschen, die im Einzelhandel arbeiten, im Hotel- und Gaststättengewerbe, als Transport- und Lagerarbeiter oder Reinigungskraft. Betroffen sind auch viele Selbstständige. Werden diese Menschen arbeitslos, reicht auch ihr Arbeitslosengeld in der Regel nicht aus, da dieses an das vorausgegangene Einkommen gekoppelt ist. Wenn das Arbeitslosengeld oder das Erwerbseinkommen nicht reichen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, springt das Jobcenter ein.

Die Jobcenter können sowohl Erwerbstätige, die ihren Lebensunterhalt nicht decken können, als auch Arbeitslose mit geringem Arbeitslosengeld (Arbeitslosengeld II/ Hartz IV), finanziell unterstützen. In der öffentlichen Diskussion werden beide Personengruppen oft verwechselt.

Arbeitslosengeld-Bezieher, die zusätzlich Geld vom Jobcenter bekommen, werden in der Arbeitsmarktstatistik als „Aufstocker“ bezeichnet. Menschen, die arbeiten und ihr Einkommen mit Hilfe des Jobcenters ergänzen, werden „Ergänzer“ genannt. Seit Januar 2017 werden „Aufstocker“ in den Agenturen für Arbeit betreut – für die „Ergänzer“ sind ausschließlich die Jobcenter zuständig. Die Betreuung unterscheidet sich nicht von der Unterstützung der übrigen Kunden.

Aktuell sind im Agenturbezirk Nürnberg, also der Stadt Nürnberg und dem Landkreis Nürnberger Land sowie der Stadt Schwabach 9.386 Ergänzer bei den Jobcentern gemeldet.

Die Ergänzer unterscheiden sich deutlich im Umfang ihrer Erwerbstätigkeit:

  • 4.823 arbeiten sozialversicherungspflichtig,
  • darunter 1.787 in Vollzeit und 3.036 in Teilzeit
  • 1.827 mit einem Einkommen zwischen 450 und 850 Euro und
  • 2.912 mit Einkommen über 850 Euro.
  • 1.501 üben ausschließlich einen Mini-Job aus und verdienen bis zu 450 Euro.
  • 349 arbeiten selbstständig. 

Gisela Scherer, Geschäftsführerin operativ der Agentur für Arbeit Nürnberg betont: „Die Gründe, warum jemand zusätzlich zum Erwerbseinkommen Arbeitslosengeld II beim Jobcenter bezieht, sind vielfältig. In der Stadt Nürnberg geben sicherlich mitunter die hohen Mieten den Ausschlag. Entscheidend ist zudem, wie viel jemand arbeitet, wie hoch sein Einkommen ist und ob er nur sich selbst finanziert oder eine Familie versorgen muss. Bei einer Familie spielt auch eine Rolle, ob beide Partner arbeiten. Besonders schwer haben es Alleinerziehende, die nur Teilzeit arbeiten können. Hier können bessere Kinderbetreuungs-Angebote helfen.“

Das Jobcenter Nürnberg-Stadt berät Ergänzer, wie sie ihr Einkommen steigern können, um finanziell auf eigenen Beinen zu stehen.

Sabine Schultheiß, Geschäftsführerin des Jobcenters Nürnberg-Stadt: „Zum Beispiel können Betroffene, die noch nicht Vollzeit arbeiten, mehr arbeiten oder sich mit Hilfe einer Qualifizierung im Betrieb für eine höherwertige Tätigkeit empfehlen. Jobcenter und Arbeitsagenturen unterstützen auch das Nachholen eines Berufsabschlusses. Menschen mit einer Ausbildung verdienen in ihrem Berufsleben im Schnitt 300.000 Euro mehr.“

„Ein Mini-Job werde auf Dauer zur Falle, gerade für Frauen“, so Schultheiß weiter. „Das Jobcenter helfe ihnen dabei, ihren Mini-Job in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit umzuwandeln. Auch Frauen in einer Partnerschaft sollten sich eine eigenständige berufliche Existenz aufbauen und fürs Alter vorsorgen. Eine selbstständige Tätigkeit müsse tragfähig sein und aus dem Grundsicherungsbezug herausführen: Das Jobcenter unterstützt Kunden auf diesem Weg oder begleitet ihren Wechsel in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit.“

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt biete Chancen, um sich neu zu orientieren. „Wir unterstützen die Menschen, mehr aus ihrem Job zu machen und damit unabhängig vom Jobcenter zu werden. Es ist nie zu spät, etwas zu wagen und sich zu verändern. Arbeit lohnt sich und die Investition in Qualifizierung zahlt sich auf Dauer aus“, da sind sich Gisela Scherer und Sabine Schultheiß einig.

Terminologie:

Aufstocker sind Personen, die Leistungen nach dem SGB II ergänzend zum Arbeitslosengeld (Arbeitslosengeld I) erhalten. Dies kann der Fall sein, wenn die Ansprüche auf Arbeitslosengeld zu gering sind, um das Existenzminimum zu decken. In der Umgangssprache in Deutschland ist Aufstocker fälschlicherweise ein Begriff für Personen, die ergänzend zu ihrem Einkommen finanzielle Leistungen vom Jobcenter erhalten. Die Arbeitsmarktstatistik spricht dabei von „erwerbstätigen Arbeitslosengeld II-Beziehern“ oder „Ergänzern“.