GSB 7.1 Standardlösung

Chancengleichheit

Ausgabejahr 2017
Datum 22.06.2017

Wie fühlt es sich an einen Beruf zu erlernen, der eigentlich vom anderen Geschlecht dominiert wird. Carolin Nicolai ist Auszubildende in der Magdeburger Firma ZOM Oberflächenbearbeitung GmbH und berichtet über ihre Erfahrungen.

Zweimal im Jahr organisieren Agentur für Arbeit und Jobcenter die Nacht der Ausbildung. „Auf dem Ausbildungs-Event können Jugendliche unter dem Motto „Berufe hautnah erleben“ auf die Suche nach einem Beruf oder Ausbildungsplatz gehen. Wo sonst erfährt man in so kurzer Zeit so viel über verschiedenste Berufsbilder und deren Alltagsanforderungen?“, erläutert Christian Schmidt, Pressesprecher im Jobcenter.

Die mittelständische Firma ZOM aus Magdeburg ist regelmäßig Gast dieser Berufsinformationsveranstaltung und sucht Lehrstellenbewerber, die den Beruf Schneidwerkzeugmechaniker erlernen wollen. Noch vor etwa zehn Jahren erhielt das Unternehmen, das seit 1997 Ausbildungsbetrieb ist, bis zu 60 Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz. Aufgrund der demographischen Entwicklung sind die Bewerberzahlen in den vergangenen Jahren in allen Wirtschaftsbereichen jedoch deutlich rückläufig.

Dieser Trend geht auch an ZOM nicht vorbei, es gingen immer weniger Bewerbungen ein, zuletzt nur noch fünf. Ein Strategiewechsel musste her. „Wir warteten nicht mehr auf Bewerbungen, sondern suchten auf Veranstaltungen, wie z.B. während der „Nacht der Ausbildung“, den direkten Kontakt zu den Jugendlichen“, so ZOM-Ausbildungsleiter Joachim Pfrommer. Mit Stolz berichtet er, dass die in den letzten fünf Jahren abgeschlossenen Ausbildungsverträge bis auf eine Ausnahme allesamt mit Bewerbern zustande kamen, die ZOM auf diesem Berufsfindungsevent kontaktiert hatte. „Für uns besitzen diese Veranstaltungen einen unschätzbaren Wert“, führt Pfrommer weiter aus und lobt dabei besonders die seit vielen Jahren bestehende enge und sehr gute Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter, sowie mit der Firmenbetreuerin Maike Wagenknecht vom Arbeitgeber-Service.

Mit großer Freude registriert das Unternehmen, dass auch immer mehr weibliche Bewerberinnen auf eine berufliche Ausbildung in ZOM aufmerksam werden. Carolin Nicolai bspw. nahm im September 2015 eine Lehre zur Schneidwerkzeugmechanikerin auf. „Ich wollte zwar gern einen gewerblichen Beruf ergreifen, kannte ZOM jedoch nicht. Die ehrliche Art und die guten Zukunftsaussichten in der Firma haben mich überzeugt. Bereut habe ich meine Entscheidung keinen einzigen Tag“, sagt sie. „Klar, am Anfang war es ungewohnt einen Beruf zu erlernen, in dem fast nur Männer arbeiten. Doch im Betrieb stellte ich fest, dass ich nicht die einzige Auszubildende bin.“

„Der Zensurendurchschnitt im zweiten Ausbildungsjahr, der sowohl in der Schule als auch in der praktischen Ausbildung bei 1,5 liegt, zeigt, mit welchem Ehrgeiz Carolin die Ausbildung angeht. Da kann sich so mancher männliche Bewerber eine Scheibe abschneiden“, fügt Joachim Pfrommer hinzu.