GSB 7.1 Standardlösung

Hinweise zum Datenschutz und zur Verwendung von Cookies

Diese Webseite verwendet Cookies und Webanalyse-Tools. Das hilft uns, um Ihnen ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Hier erfahren Sie mehr über die Nutzung Ihrer Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.

OK

„Wer nicht will, findet Gründe - wer will, findet Wege.“ - Ein syrischer Friseurgehilfe macht in Deutschland Karriere (Lesezeit ca. 4:00 Min.)



Ausgabejahr 2020
Datum 26.02.2020


Feras Eissa, 37 Jahre, ist im Dezember 2014 mit seiner Frau und seinem 6 Monate altem Baby nach Deutschland geflohen, weil in seinem Heimatland Syrien der Bürgerkrieg tobte. In Deutschland angekommen, bezog er zunächst Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Nachdem diese Leistungen eingestellt worden waren, stellte er einen Antrag auf Arbeitslosengeld II und wurde Kunde des Jobcenters Mecklenburgische Seenplatte-Süd.

Zu Hause in Syrien hatte Herr Eissa den Realschulabschluss absolviert und wollte eigentlich studieren. Auf Grund familiärer Probleme war dies jedoch nicht möglich und durch einen Zufall wurde er in Harasta, in der Nähe von Damaskus als Friseurgehilfe tätig. Eine berufliche Ausbildung gab es in seinem Land nicht. In Syrien lernt man sein Handwerk aus der praktischen Anwendung und so kam es dazu, dass dieser eigentliche Zufall ihm einen Beruf näherbrachte, den er lieben lernte. Der Beruf wurde sogar zu einer Berufung und Herr Eissa eröffnete in Syrien einen eigenen Friseursalon.

In Deutschland angekommen, wollte er sich hier ein neues Leben aufbauen und sah die Flucht aus der Heimat gleichzeitig als eine Chance zum Neuanfang an. Selbstverständlich war für ihn dabei, dass er in einem fremden Land die einheimische Sprache erlernen und sich mit den geltenden Gesetzen und Gegebenheiten auseinandersetzen muss. Die bestmögliche Integration für sich und seine Familie war sein vorderstes Ziel, um baldmöglichst hier in Deutschland auch finanziell unabhängig leben zu können.

Bis dahin jedoch galt es wichtige Schritte zu gehen. Dabei war er dankbar für jede Unterstützung, die er bekommen konnte. So schloss er im Jahr 2016 den Integrationskurs mit Sprachniveau B1 ab und absolvierte im Anschluss 2017 erfolgreich auch den Sprachkurs B2.

Mit seinen neu erworbenen Deutschsprachkenntnissen half er bald ehrenamtlich bei der Caritas in Neustrelitz, unbegleitete jugendliche Flüchtlinge zu unterstützen und betreute diese viele Monate als Dolmetscher. Diese freiwillige Tätigkeit übte Herr Eissa sehr gern aus. Er wollte aber in Deutschland auf eigenen Beinen stehen und nicht dauerhaft von verschiedenen Ämtern und Einrichtungen abhängig sein.

Im Sommer 2017 gelang es dem Jobcenter, im Rahmen einer Maßnahme bei Arbeitgebern (MAG), einen Praktikumsplatz im Friseursalon Bärbel Poguntke in Neubrandenburg zu akquirieren. Dieses Praktikum absolvierte Herr Eissa mit Erfolg und so konnte er im September 2017 eine einjährige Einstiegsqualifizierung zur Vorbereitung auf eine Friseurausbildung bei der gleichen Arbeitgeberin beginnen.

In diesem Vorbereitungsjahr konnte er sein Talent beweisen, sodass er mit einem Ausbildungsplatz zum Friseur ab September 2018 belohnt wurde.

In den Gesprächen mit seiner Integrationsfachkraft im Jobcenter berichtete er immer wieder, dass die Tätigkeit eines Friseurs im Damensalon sich in Deutschland grundsätzlich von der Arbeitsweise in Syrien unterscheidet.
Die beruflichen Inhalte seien viel umfangreicher und komplizierter als in seinem Heimatland. In Syrien gäbe es z.B. keine Dauerwellen und längst nicht so eine Vielfalt an Haarfärbe- und -pflegeprodukten. Besonders der theoretische Lehrinhalt sei sehr anspruchsvoll.
Aber Herr Eissa meisterte auch diese Herausforderung und liebte die Kreativität und Auswahl an Frisuren sowie die vielen Möglichkeiten, sich in dem Beruf zu entfalten und weiter zu entwickeln.

Seine Ausbildung verlief so erfolgreich, dass er bereits im April 2019 gemeinsam mit seiner Arbeitgeberin einen Antrag auf vorzeitige Beendigung der Ausbildung zum Februar 2020 stellen durfte.

Inzwischen hat er sowohl die schriftliche als auch die praktische Prüfung mit Erfolg absolviert und damit die Ausbildung beendet.

Feras Eissa Foto: Jobcenter


Der große Traum ist jedoch wieder eine Selbständigkeit und ggf. ein eigener Salon. Auch hier ist Herr Eissa voller Energie und Wissensdurst, um weitere Informationen bezüglich der Umsetzung seines Traumes zu erhalten. Dabei begleitet ihn das Jobcenter Mecklenburgische Seenplatte-Süd mit seinem Team für Selbständige, um eine ausführliche Beratung und mögliche Unterstützung zu gewährleisten.

Herr Eissa nutzt auch diese Möglichkeiten und hat sich bereits zum 4-monatigen Meisterlehrgang im März 2020 in Oldenburg angemeldet. Bei seiner Zielstrebigkeit steht zu erwarten, dass er auch dieses Ziel erreichen wird und möglicherweise schon im Sommer 2020 seinen eigenen Friseursalon, diesmal in Deutschland und mit abgeschlossenen Qualifikationen, eröffnen könnte.

Durch seinen Fleiß und seine Zielstrebigkeit hat Herr Eissa die Grundlage für sich, seine Frau und seine nun bereits drei Kinder geschaffen, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen und sich in der neuen Heimat einzuleben, einzubringen und vollständig zu integrieren. Er hat durch Mut, Zielstrebigkeit, Ehrgeiz, Disziplin und einer eigenen Lebensvision bewiesen, dass es nie zu spät ist, neu anzufangen. Dabei spielen die Umstände, die Herkunft und das Alter nur eine untergeordnete Rolle, wenn man seine Ziele und Träume nicht aus den Augen verliert und dafür kämpft.

„Wer nicht will, findet Gründe - wer will, findet Wege.“