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Mit Pferden zurück in den Job 

Qualifizierung mit 60 plus in einem nicht alltäglichen Beruf

Hufeisen bringen Glück – Joachim Lauterbach kann das nur bestätigen. Er hat bei dem Hufschmied Hermann Meyer in Schieder-Schwalenberg sein berufliches Glück gefunden.

„Langzeitarbeitslos und über 55 Jahre alt. Da wird die Bewerbung schnell mal aussortiert“, schildert er seine damalige Lage. „Als gelernter Holzmechaniker habe ich über 25 Jahre Berufserfahrung, war aber auch lange Zeit arbeitslos. Ich habe aber immer geschaut, irgendwo mindestens eine Nebenbeschäftigung zu haben. Gartenpflege und andere Helferarbeiten waren das, auch schon bei einem Hufschmied. Natürlich wollte ich wieder voll arbeiten, nicht einfach abwarten und vom Jobcenter aus in Rente gehen“, erzählt Lauterbauch.

Seit mittlerweile drei Jahren arbeitet Lauterbach jetzt in dem Betrieb Hufschmiede Meyer. Er ist dort eine verlässliche Fachkraft geworden, auf die Hermann Meyer nicht mehr verzichten möchte. „Ich habe seinerzeit über eine Anzeige einen Mitarbeiter in meinem Betrieb gesucht,“ so Meyer. „Herr Lauterbach hat sich bei mir beworben, dadurch kam der Kontakt mit dem Jobcenter zustande. Bereits im Praktikum haben wir beide gesehen, dass es gut passt. Für mich ist es eine tolle Sache, so eine zuverlässige Kraft gewonnen zu haben.“

„Wir haben Herrn Lauterbach damals in unser Projekt „Perspektive Arbeit“ aufgenommen,“ erläutert Christine Richers, Coach im Jobcenter Hameln-Pyrmont. „Über eigene Akquisiteure haben wir Arbeitgeber für unser Projekt und die Menschen darin gewonnen oder diese unterstützt bei ihren Bewerbungen. Neben der gestaffelten finanziellen Förderung ist ein intensives Coaching wichtiger Bestandteil. Dabei immer mit dem Blick auf eine langfristige Beschäftigung. Für Herrn Lauterbach und auch für uns als Jobcenter ist diese begleitende Phase und das Projekt nun abgeschlossen. Die Förderung lief über das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfond über das Programm zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit.“

Und wie wird man vom Tischler zum Hufschmied? „Eine gute Beziehung zu Tieren, speziell auch zu Pferden, hatte ich schon immer,“ berichtet Joachim Lauterbach. „Ich bin zwar gelernter Tischler, aber die Arbeit mit Holz vermisse ich hier nicht. Dies ist eine mobile Hufschmiede. Wir besuchen unsere Kunden und beschlagen direkt vor Ort. Die gesamte Ausstattung ist immer dabei – sei es der Härteofen, der Amboss oder die gesamten Werkzeuge für die Hufpflege. Um die eigenen Pferde des Betriebes müssen wir uns natürlich auch kümmern. Dann arbeiten wir hier im Betrieb, so wie heute.“

Man spürt förmlich, dass Joachim Lauterbach und sein Chef, Hermann Meyer ein gutes Team sind. Gemeinsam arbeiten sie am Pferd, der eine muss sich auf den anderen verlassen können. Lauterbach schildert: „Die Hufeisen haben wir zunächst abgenommen. Dann müssen die Hufe bearbeitet werden - also geschnitten und geraspelt. Nicht jedes Mal sind neue Hufeisen nötig, die alten können aufgearbeitet werden. Dadurch ist das Anpassen einfacher. Dazu werden die glühenden Hufeisen kurz auf den Huf gesetzt, zu lang darf das nicht dauern. Durch den Abdruck sieht man, wo wir noch hobeln und feilen müssen, damit das Eisen gut passt.“ Auf die Frage, ob er denn auch schon mal negative Erfahrungen gemacht habe, grinst er. „Natürlich bin ich schon mal von einem Pferd getreten worden. Auch so heftig, da habe ich unterm Pferd gelegen. Aber es ist gut gegangen. Und das Tier kennen wir ja jetzt, richten unsere Arbeit drauf ein. Schließlich braucht ein Pferd alle fünf bis acht Wochen Hufpflege und neue Beschläge.“

Für Joachim Lauterbach hat sein Leben wieder ganz andere Strukturen bekommen. Wichtig ist ihm eine gesunde Ernährung und ausgleichende Bewegung. Neben dem ausfüllenden Beruf hat er Wandern und Radfahren als neue Hobbys für sich entdeckt.

Mit 61 Jahren fühlt sich Lauterbach noch lange nicht alt. Er will noch mehr erreichen. Sein Ziel ist die Qualifizierung zum Hufschmied. „Ein klassischer Ausbildungsberuf ist Hufschmied nicht. Es gibt eine Hufschmied-Verordnung, die die Qualifizierung regelt. Voraussetzung ist eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung in einem beliebigen Bereich. Dann muss man zwei Jahre sozialversicherungspflichtig als Hufschmied gearbeitet haben. Nach einer Einführungsqualifizierung von 4 Wochen folgt die Vorbereitungsqualifizierung in einer Hufbeschlaglehrschmiede. Die dauert 4 Monate. Erst danach erhält man die Zulassung zur Prüfung mit einem theoretischen und praktischen Teil vor der Handwerkskammer,“ erklärt sein Chef Hermann Meyer.

„Andere denken ab 60 daran, wie lange sie denn noch arbeiten müssen. Herr Lauterbach ist da das komplette Gegenteil. Was er in den vergangenen Jahren geleistet hat, zollt meiner Anerkennung“, so Meyer. Da wird sein Mitarbeiter etwas verlegen. Doch er braucht sein Licht wahrlich nicht unter den Scheffel stellen. Eine Qualifizierung hat Lauterbach schon erfolgreich absolviert, jetzt will er es richtig rund machen. Die Vorbereitungsqualifikation mit abschließender Prüfung und Zulassung zum staatlich geprüften Hufschmied sind die nächsten Ziele.

„Herr Lauterbach wird auch das schaffen“, ist Meyer überzeugt. „Wer so viel Motivation, Liebe und Talent zum Beruf hat, was soll da schiefgehen?“

Zusatzinformationen

Perspektive Arbeit
Förderung über das Programm zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit durch BMAS und ESF

Das Projekt „Perspektive Arbeit“ unseres Jobcenters wurde im Rahmen des Programms zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Arbeit in der Hufschmiede
Joachim Lauterbach sorgt gemeinsam mit seinem Chef für neue Hufeisen

Arbeit in der Hufschmiede Meyer: Joachim Lauterbach sorgt gemeinsam mit seinem Chef für neue Hufeisen